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Charakterisierung schreiben: Aufbau, Merkmale und Formulierungshilfen

Eine Charakterisierung beschreibt eine literarische Figur so genau, dass der Leser ein klares Bild von ihr bekommt – nicht nur vom Aussehen, sondern vor allem vom Wesen. Sie ist eine häufige Aufgabe bei Romanen, Dramen und Kurzgeschichten und verlangt, Informationen aus dem Text zu sammeln, zu ordnen und zu deuten.

Direkte und indirekte Charakterisierung

Autoren charakterisieren Figuren auf zwei Arten. Direkt: Der Erzähler oder eine andere Figur beschreibt sie ausdrücklich („Er war ein misstrauischer Mensch“). Indirekt: Die Eigenschaften zeigen sich im Verhalten, in der Sprache oder in Entscheidungen („Er verschloss jede Tür zweimal“). Die indirekte Charakterisierung zu erkennen und zu deuten, ist die eigentliche Leistung einer guten Charakterisierung.

Der Aufbau

Einleitung: Titel, Autor, Textsorte, Erscheinungsjahr und eine kurze Einordnung der Figur (Name, Rolle in der Handlung). Eventuell ein erster Gesamteindruck.

Hauptteil: Hier wird die Figur in mehreren Bereichen beschrieben:

  • Äußeres: Alter, Aussehen, Kleidung – nur, wenn es für die Deutung wichtig ist.
  • Soziale Stellung: Beruf, Familie, Herkunft, gesellschaftliche Position.
  • Verhalten: Wie handelt die Figur, wie reagiert sie auf andere?
  • Sprache: Wie spricht sie – förmlich, derb, zögerlich?
  • Denken und Fühlen: Welche Gedanken, Wünsche, Ängste hat sie?
  • Beziehungen: Wie steht sie zu anderen Figuren?
  • Entwicklung: Verändert sich die Figur im Laufe der Handlung?

Schluss: Zusammenfassende Bewertung der Figur, ihre Bedeutung für die Handlung, eventuell eine persönliche Einschätzung.

Belege sind Pflicht

Jede Aussage über die Figur muss am Text belegt werden – mit Zitat oder Verweis und Zeilenangabe. „Sie ist hilfsbereit“ ist eine Behauptung; „Sie ist hilfsbereit, was sich zeigt, als sie ihrer Nachbarin ohne zu zögern die Einkäufe trägt (Z. 34 f.)“ ist eine belegte Charakterisierung.

Eigenschaften treffend benennen

Statt „nett“ oder „komisch“ braucht es präzise Adjektive: zuvorkommend, einfühlsam, verschlossen, ehrgeizig, gutgläubig, rechthaberisch, selbstkritisch, opportunistisch. Ein Wortspeicher mit Eigenschaftswörtern hilft beim Schreiben.

Die Zeitform

Die Charakterisierung steht im Präsens. Handlungen, die vor dem beschriebenen Zeitpunkt liegen, stehen im Perfekt.

Beispiel für einen Absatz

„Herr K. wirkt nach außen selbstbewusst und bestimmt. So erteilt er seinen Mitarbeitern knappe Anweisungen, ohne Widerspruch zuzulassen (Z. 12–15). Seine wiederholten Blicke auf die Uhr (Z. 18, 27) und die Tatsache, dass er seine Entscheidungen nachträglich rechtfertigt (Z. 40), deuten jedoch auf eine innere Unsicherheit hin, die er hinter seiner Strenge verbirgt.“

Typische Fehler

  • Nacherzählen der Handlung statt Beschreiben der Figur.
  • Eigenschaften ohne Belege.
  • Nur äußere Merkmale, keine Deutung des Wesens.
  • Widersprüche der Figur nicht beachten – dabei sind gerade sie oft besonders aufschlussreich.

Charakterisierung im Drama

Im Drama gibt es keinen Erzähler. Figuren charakterisieren sich durch ihre Reden, ihre Handlungen und durch das, was andere über sie sagen. Auch Regieanweisungen können Hinweise geben. Die Analyse der Sprache wird hier besonders wichtig.

Hilfreiche Vorarbeit

Vor dem Schreiben lohnt es sich, eine Tabelle anzulegen: links die Eigenschaft, rechts die Textstelle. So entsteht eine Stoffsammlung, aus der sich der Aufsatz leicht aufbauen lässt – und keine Aussage bleibt unbelegt.

Teste dich selbst

  1. Direkt oder indirekt: „Sie war eine ängstliche Frau.“ – Lösung: direkt.
  2. Direkt oder indirekt: „Sie prüfte dreimal, ob die Tür abgeschlossen war.“ – Lösung: indirekt (Hinweis auf Ängstlichkeit).
  3. Nenne ein präziseres Wort für „nett“. – Lösung: z. B. zuvorkommend, hilfsbereit, freundlich.
  4. In welcher Zeitform schreibt man? – Lösung: im Präsens.

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Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen direkter und indirekter Charakterisierung?
Bei der direkten werden Eigenschaften ausdrücklich genannt, bei der indirekten zeigen sie sich im Verhalten, in der Sprache oder in Entscheidungen der Figur.
In welcher Zeitform schreibt man eine Charakterisierung?
Im Präsens, Vorzeitiges im Perfekt.
Muss ich das Aussehen beschreiben?
Nur, wenn es für das Verständnis der Figur wichtig ist. Wesen, Verhalten und Beziehungen sind meist bedeutsamer.

Alle Übungsblätter nach Fach und Klasse findest du in der Übersicht.

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